Neues Feldtagebuch von Magrid Al Sharaman

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Neues Feldtagebuch von Magrid Al Sharaman

Beitrag  Magrid am Mi 24 Aug 2016, 19:35

Missionstagebuch oder doch Kriegstagebuch? Nein, ich nenne es Feldtagebuch, so wie einst in Nordend. Es ist Tag eins meiner Aufzeichnungen, wir haben heute den 28. August. Zumindest glaube ich das, die Orks haben noch immer keinen ausreichenden Kalender, er ist in etwa so präzise wie die Aussage, dass bei vollkommender Dunkelheit grade Mitternacht sei. Dass diese Aussage wenig bringt, haben die Orks wohl damals schon in Nordend verstanden, wo es manchmal gar nicht dunkel wird, geisterhafte Lichter den Himmel erstrahlen lassen und einen den Schlaf rauben. Wie gerne würde ich mit meinem früheren Selbst jetzt tauschen, auch wenn sie bedeutend jünger, dümmer und unkontrollierter ist. Sie hatte damals die volle Macht eines Generationenhexers, die Dämonen lagen ihr zu Füßen, doch um diese Macht neide ich sie nicht, auch nicht um ihre Kaltblütigkeit, ihre Gleichgültigkeit gegenüber anderen und dem eigenen Leben, als sie noch mit mir eins war, bevor uns meine ehemalige Schülerin trennte und ich allein fortan meinen Platz in der Welt finden musste. Damals war es bei weitem nicht immer leicht, Freunde hatte ich wenige, ich hatte damals nur die gütige Geste der dunklen Fürstin, als sie mich in ihrer Stadt aufnahm und auch mein Versprechen dem Kriegshäuptling Thrall, dass ich mein Leben änder und nun für andere, anstatt für mich und meine Rachegelüste zu kämpfen. Von einer Familie wagte ich damals nicht einmal zu träumen, das Fluchmal meiner Mutter verweigerte mir so oder so ein eigenes Kind, bis endlich der stirbt, der uns damals als Familie entzweite, mich und meine Schwestern zu Waisen machte und tausenden anderen das Leben nahm. Inzwischen ist der Fluch gebrochen. Liirie ist drei Jahre alt und so wehmütig mich der Name meines kleinen Krümels manchmal werden lässt, immerhin trägt sie den stolzen Namen meiner Schwester Liirie, so weiß ich tief in meinem Herzen, dass sie es billigt und sich freut, dass so die Erinnerung an sie wach gehalten wird. Meine Tochter, meine Frau und ihre Tochter, mein Liebster und auch meine Familie, meine Freunde, selbst diese groteske Stadt, die unter dem Schein des Schönen, ein Antlitz des Verrates und der Gier in sich birgt, selbst sie habe ich nun im Hinterkopf, während ich diese Zeilen niederschreibe. Es war nicht leicht mich von meiner Familie zu lösen und lange werden mich die vertränten Augen meiner kleinen Süßen noch im Schlaf heimsuchen. Ich tue es schon wieder, ich lasse sie allein und sie wird nicht wissen, ob ihre Mutter auch eines Tages wieder über die Schwelle des Hauses Al Sharaman treten wird und sie wieder in den Arm nehmen kann. Mir schnürrt sich die Kehle zu bei dem Gedanken, mein Herz ist ein zusammengepresster Klumpen, allein der Gedanke, welche Angst sie nun haben wird und wie weh ich ihr damit tue. Gerne wollte ich glauben, dass Sylea mich wieder einmal für dumm verkauft und die alte Karte, die Portale aus dem Nether anzeigt, einfach inzwischen nicht mehr richtig funktioniert, doch das ist nicht so. Ich spüre es seit Tagen, die alten Schwingungen, sogar die Stimmen in meinem Kopf erhallen wieder, als wenn ich nie vom Nether getrennt worden wäre. Die Angriffe im Brachland sind Beispiellos, ich könnte versuchen das zu ignorieren und in den Hallen des Hauses Al Sharaman einfach überdauern mit meiner Familie und meinen Kindern, bis das ganze vorbei ist, aber ich weiß, dass es ein frommer Wunsch ist, wenn die Legion ihr Ziel erreicht, ist da nichts mehr und wir wahrscheinlich auch nicht. Liirie hat keinen Feigling als Mutter, ich verkrieche mich nicht, das tat ich nie. Worum neide ich also nun diese Magrid aus einer fernen Zeit? Darum, dass es für sie niemals um so viel ging, als für mich heute. Ich habe im Laufe der Jahre viel dazugewonnen, Freunde, Verbündete, meine Familie von Marvin befreit, meine eigene kleine Familie, ich habe mein Glück gefunden und ich führe den tollsten Laden in der Stadt, Wanderers Ruh. All das rinnt mir nun durch die Finger angesichts der Legion, ich verspüre Angst, sie alle zu verlieren und ich habe eine Menge zu verlieren. Um so mehr muss ich kämpfen, wie lange es auch dauern wird, selbst wenn ich nach Jahren einer erwachsenen Liirie gegenüber stehen muss und ihr erklären muss, wieso ich so lange nicht da war, hat es sich für mich gelohnt, denn die Welt in der sie aufwuchs bis dahin und weiterhin heranwachsen kann, sie existiert noch, das ist mein Hauptgrund, mein größter Antrieb. Seit ein paar Tagen ist da jedoch auch ein anderer. Vor vier Tagen verließ ein sehr von mir geschätzter Pandare diese Welt, Sheng Pau. Er war im Ruh lange Zeit ein wertvoller Mitarbeiter, mehr noch, ein Freund, ein guter Geist, den man im Ruh nach seinem Weggehen regelrecht vermisst hat. Er hatte sich von allen Orten, an denen er auf die nächste Ebene seiner Reise gehen konnte, ausgerechnet das Ruh erwählt, es schmerzt mich, aber seine letzten Worte machen mir Mut. Er will das Ruh schützen, so gut er kann, sozusagen hat das Ruh einen guten Geist nun und ich hoffe die Gäste werden das auch spüren und schätzen wissen. Doch nicht dieses versprechen allein ist es, was mir Mut macht, sondern das, was er mir und allen anwesenden Personen begreiflich machen wollte: Wir kämpfen nicht allein. Jeder von uns hat den anderen, jeder von uns hat Schwächen und Stärken und gemeinsam ergänzen wir uns.
Dass wir das wissen, war ihm ein großes Bedürfnis und gerne will ich ihm dieses erfüllen, sein letztes großes Geschenk an uns alle, das Wissen darum, dass wir nicht allein sind und in Einigkeit selbst die Legion schlagen können.
Es ist inzwischen, keine Ahnung wie lang, der Nachteil von Sonnenuhren in einem Tal, in das nur zu einer bestimmten Tageszeit die Sonne reinfällt, bedarf wohl keiner Erklärung. Ich werde mir noch einen genehmigen, der neue Eber schmeckt gut und etwas Geld kann ich auch gebrauchen, die Orks sind noch immer so einfältig, dabei weiß man doch, dass man gegen Nethermanten besser kein Trinkspiel macht.

P.S. Ich hoffe dass ich dieses Buch vielleicht sogar meinen Lieben selbst vorlesen kann, ein paar gute Einschlafgeschichten, wenn ich die schrecklichen Dinge raus lasse, allerdings wenn nicht ich es sein werde, die Euch dieses Buch überreicht hat, so lasst es mich hiermit zum ersten mal schreiben und ich hoffe ich schaffe es jeden Eintrag damit abzuschließen, Lin, Aurora, Liirie, ich liebe Euch.
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